Inspiriert. Sonntagswort Jüchen

Unser geistliches Leben soll in Zeiten von Corona nicht verkümmern. Daher finden Sie nun jeden Samstag an dieser Stelle unser Angebot „Inspiriert. Sonntagswort Jüchen“.

Liebe Gemeindeglieder, lieber Leserinnen und Leser,

im Herbst 2016 war es jedes Mal eine wahre Freude, von Jüchen nach Gierath zu fahren! Auf der rechten Seite, direkt neben der Straße, erstreckte sich ein ausgedehntes Kürbisfeld. Die gute Witterung ließ eine Rekordernte erwarten. Hunderte gold-gelb strahlende Früchte glänzten in der Sonne und erfreuten regelmäßig das Auge des Betrachtenden. Einfach toll, was die Natur hervorbringen kann und wie sie mit ihren Künsten die Seele bereichert! Und die im Grunde genommen imstande ist, auch die Hartgesottensten dankbar zu stimmen.

Fünf Jahre später, im Herbst 2021, sehen wir an der Straße nach Gierath ein anderes Bild. Trotz der Mühe des Landwirts fällt die Kürbisernte in diesem Jahr dünn aus. Der kalte Frühling mit stark reduziertem Bienenflug, der regenreiche und eher kühle Sommer haben die Erwartungen nicht erfüllt. Daher kann auch der Blick auf das lückenhafte Feld nicht begeistern. Aber er wird versöhnt durch die Einsicht, dass die Jahre unterschiedlich ausfallen. Und vor allem, dass wir in unseren Breitengraden trotz geschmälerter Erträge immer noch genug zum Leben haben. Niemals haben wir wirklich einen Grund, völlig unzufrieden zu sein. Gottes Schöpfung ernährt uns und lädt uns regelmäßig ein, dankbar zurückzublicken.

Diesen Dank kann und soll man auch auf andere Bereiche ausweiten. Wie wär´s denn, das eigene Leben mal in Ruhe zu betrachten? Innezuhalten und zu fragen: Was ist geworden und wie fällt hier die Ernte diesbezüglich aus? Über diese Frage haben in unserer Kirchengemeinde am vergangenen Sonntag dreizehn Jubilarinnen und Jubilare im Rahmen der Feier der Goldkonfirmation nachgedacht. Dabei gab es einen kleinen Durchgang durch Lebensstationen: Konfirmation, Schulabschluss, Lehre/Studium, Beruf, Familiengründung, Haus/Wohnung, Ruhestand, Aufgaben, Hobbys.

Neben der überwiegend positiven Bilanz wurde aber auch angesprochen, dass das Leben ambivalent bleibt. Neben Vorstellungen, die in Erfüllung gehen, gibt es auch manches, was uns herausfordert, uns harte Umstellungen zumutet, uns verwundet. Doch auch das macht Leben in seiner Fülle aus, das uns nicht selten stark macht und heranreifen lässt. Vielleicht auch dankbar stimmt. Gerade in den Krisen – wie auch der aktuellen, noch nicht überwundenen – spüren wir Gottes Nähe und Unterstützung.
Auch darüber haben wir am Sonntag (Erntedank) sinniert. Am Ende stand die Erkenntnis: Mit dem, was uns gegeben wird, was gelingt, was uns zugemutet wird, sind wir im Grunde genommen reich beschenkt!

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dank ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn (eg 508, 1)

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pfarrer Horst Porkolab

P.S. Das Sonntagswort macht Urlaub und ist am 24.10. wieder zurück!

Hinweis

Alle wichtigen Infos und etwaige Änderungen zu unserem Gemeindeleben finden Sie hier oder in unserem Gemeindebrief WIR, den Sie von der Startseite aus downloaden können.